30.11.2011
10:46

Lernen2.0 - mehr ist weniger Demokratie

donnerstag findet im kölner betahaus ein speedlab2.0 statt. begleitet von dradio wissen.  

eine der olympischen fragen, die dort gestellt wird, lautet: wird lernen2.0 die demokratie höher, schneller, weiter machen?

während ich auf meinem werkstatt-blog ciffis mobiles bureau noch halbwegs optimistische thesen verkünde, muss ich als pisaversteher nach den erlebnissen und debatten der letzten tage skeptischer werden: meines erachtens besteht eine nicht geringe gefahr, 

- dass web2.0 zunächst einmal die digtale spaltung der gesellschaft erheblich vertieft

- dazu trägt vor allem auch die twitter-blogger-insider-community bei, weil sie sich exlusiv bis arrogant gibt, weil sie fundamentale pädagogische prinzipien nicht beachtet - und weil sie praktisch unkritisierbar ist

- auf mittlere sicht kann es sogar zu einer re-analphabetisierung bestimmter teile der gesellschaft kommen. 

Woran liegt das?

niemand kann bestreiten, welch ungeheures emanzipatives potenzial in den individuell-kollaborativen tools des web2.0 steckt. eigentlich. morgen. wenn, endlich, alle begreifen!

nur: die 2.0szene schottet sich in einem spanische-dörfer-kauderwelsch von der öffentlichkeit ab (siehe z.b. die gute, aber teflonisierte lindnersche sieben-sigel-liste) verstehen kann man das nur, wenn man ein steve jobs-abo hat und seine sozialen kontakte bei facebook und twitter verwaltet.

auch das #speedlab2 wird von den superdupertwitterblogos @cervus bis @440_hz bestallt. manche von ihnen geben als berufsbezeichnung visionär an. oder bildungsberater. oder bildungsaktivist. oder gleich: blogger. (wo ist eigentlich das personalbüro und die lohnbuchhaltung im netz?)

wer sich freilich wagt, schüchtern einwände gegen den akronymisierten elite-sprech der bloggosphere vorzubringen, wird sofort auf die gutenberg-müllhalde der ewiggestrigen verbannt.

was die elektro-szene aber nicht versteht - und vor allem den pädagogen unter ihnen muss man das hart ankreiden -: es gibt nicht nur reaktionäre internetausdrucker und volltrottel im ministeramt, die fragen: "wann ist das internet voll?"

es gibt schülerInnen einer extrem heterogenen provinienz, die auf eine basale alphabetisierung dringend angewiesen sind. die grauenhaften pisaergebnisse lehren uns, dass teilhabe heute in familie, kindergarten und grundschule entsteht - oder gar nicht.

die elementare kulturtechnik dafür ist freilich nicht das 64GB iPad, sondern der schreiblernFÜLLER und ein weicher bleistift. solcherlei schreibwerkzeuge freilich erwähnen meine futuristischen freunde nicht, ohne beiläufig zu boden zu spucken: bäh, gutenberg! 

bildschirme haben, das ist eine der - unsagbaren, verbotenen, tabuisierten - thesen, bei kleinkindern und in kindergärten NICHTS verloren. iPad meets kleinkind = desaster. (siehe z.B gelernter in der faz)

jedenfalls habe ich noch kein einziges vernünftiges argument gehört, wie man mit bildschirmen funktionale analphabeten risikominimiert - außer durch ballerei-sedierung.

ich werde das morgen sagen.

stellt die spucknäpfe bereit.

mehr demokratie2.0 ist, sorry, weniger demokratie: abstrakter, fluider, unverbindlicher - ohne anerkennung und selbstwirksamkeit. holy shit2.0.

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